PLANICA 2010 – DIE WELTMEISTERSCHAFT IM NACHBERICHT

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PLANICA 2010 – DIE WELTMEISTERSCHAFT IM NACHBERICHT by Simone Weibrecht Wenn man gerade aus Oslo gekommen ist, vom Holmenkollen, dem Mekka der internationalen nordischen Szene fragt man sich, ob es denn da überhaupt noch eine Steigerung geben kann. Sicher, der Kollen ist in vielen Punkten einfach absolut top,...
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PLANICA 2010 – DIE WELTMEISTERSCHAFT IM NACHBERICHT
by Simone Weibrecht

Wenn man gerade aus Oslo gekommen ist, vom Holmenkollen, dem Mekka der internationalen nordischen Szene fragt man sich, ob es denn da überhaupt noch eine Steigerung geben kann. Sicher, der Kollen ist in vielen Punkten einfach absolut top, aber es gibt Punkte, da kann selbst dieses norwegische Aushängeschild nicht mithalten mit einem kleinen Örtchen in Slowenien.

Michael Uhrmann beim lockeren Auslauf und Altmeister Noriaki Kasai mit Sonnenbrille – Fotos: SW

Und Planica ist wirklich klein. Auf Landkarten wird man den Namen wohl nicht finden. Planica – das sind drei Häuser und wohl kaum jemand würde auf den Gedanken kommen, dort ein paar Tage zu verbringen, wäre da nicht die Letalnica. Jene Flugschanze eben, auf der bislang 28 Weltrekorde im Skifliegen aufgestellt wurden. Auf der jedes Jahr alle Nationen beim Skifliegen auf der größten Flugschanze der Welt ihren Saisonabschluß feiern. Dann erwacht Planica aus seinem Dornröschenschlaf und wird zur Weltstadt auf Zeit. So auch dieses Jahr wieder.

Wie organisiert man aber eine Weltmeisterschaft in einem verschlafenen Örtchen, dass außer seiner Flugschanze (und weiterer kleinerer Schanzen) nichts zu bieten hat? Keinen Marktplatz, keine Hotels oder Lokalitäten? Man beschränkt sich einfach aufs Fliegen und nutzt das nahegelegene Kranjska Gora. Dieser bekannte Skiort liegt wunderschön eingebettet zwischen Karawanken und Julischen Alpen, mitten im Dreiländereck Slowenien, Österreich und Italien. Und dort hat man auch den Platz zum feiern, zu allerlei Veranstaltungen rund um den Wettbewerb und natürlich um die Skisprungszene standesgemäß zu begrüßen. Kranjska Gora liegt gerade einmal vier Kilometer von Planica entfernt und ist natürlich auch der Ort, an dem nicht nur die Skispringer und ihre Teams, sondern auch viele der unzähligen Fans ihr Quartier aufschlagen.

Fanimpressionen mit Superman/ Nikolaus und Robert Kranjec – Fotos: SW/CS

Und so begann am Donnerstag abend auch die große Show in Kranjska Gora. Alle Teams und Springer wurden bei der großen Eröffnungsfeier persönlich vorgestellt, vom Altmeister Noriaki Kasai, über den Überflieger der Saison Simon Ammann bis hin zum Lokalmatadoren Robert Kranjec. Da spielt die Militärkapelle und es herrscht eine Partystimmung auf den Straßen und in den Kneipen bis spät in die Nacht. Es wird viel, oft zu viel Alkohol getrunken und es scheint so als würde es nie Nacht werden in dieser beschaulichen Kleinstadt in Slowenien. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Kein Wunder – allein aus Norwegen wurden wieder einmal drei Sondermaschinen eingesetzt um die Anhänger aus dem Norden nach Planica zu transportieren. Die ganze Dimension kann man aber erst an den nächsten Tagen wirklich greifen.

Über 100.000 Besucher zählt der Veranstalter an vier Tagen an der Schanze. Auf den Straßen am morgen herrscht Chaos pur. Die Veranstaltungen werden immer wieder mal zeitlich nach hinten verschoben, weil die Shuttlebusse einfach nur im Verkehrschaos stecken. Aber je näher man sich diesem Ungetüm, dieser Riesenschanze nähert umso mehr steigt auch die Vorfreude. Die Freude gewaltige Flüge zu sehen. Wie 2005, als Björn Einar Romoeren hier 239 Meter stand und Janne Ahonen bei 240 Metern stürzte (unter Alkoholeinfluß, wie er in seinem aktuellen Buch zugab). Aber trotz der ganzen Menschenmengen, an Spitzentagen bis zu 50.000 Menschen am Tag – es ist eine ganz lockere, entspannte Atmosphäre an diesen Tagen. Man sieht Springer, die sich einfach nur freuen, nach einer harten Saison den Weltcup-Winter in Slowenien ausklingen lassen zu können. Da ist schon mal Zeit für das ein oder andere private Gespräch, auch mit den Journalisten und abends entdeckt man manchen Springer noch auf ein Abschlußbier in den Kneipen.
Ein sichtlich gelöster Martin Schmitt – Die Saison ist geschafft!

Die einzigartige Atmospäre von Planica merkt man dann schon bei den ersten Probesprüngen. Da wird jeder Springer bejubelt, egal wie weit der Flug war. Da gibt es Blöcke voll von Fans nur aus einem Land wie Slowenien, Norwegen oder Österreich. Da sind die Fans kreativ wie selten zuvor und wohl an kaum einer anderen Schanze entdeckt man so viele Banner, bemalte oder verkleidete Fans oder einfach nur ausgelassene Anhänger. Und auch die Sportler sind bei diesem Saison-Highlight mit Herz und Seele dabei und für fast jeden Spass zu haben. Wie ein Janne Ahonen, der sportlich nicht ganz überzeugen konnte – dafür aber an drei Tagen drei unterschiedliche Bartvariationen im Gesicht trug. Über allen trohnt natürlich Robert Kranjec, der slowenische Volksheld, bei dessen Sprüngen die Dezibelzahl im Stadion ins unermessliche ansteigt. All das zieht sich über vier Tage durch. Vier Tage, nach denen man auf der einen Seite froh ist, dass das Spektakel vorbei ist – auf der anderen Seite sich schon wieder freut auf das nächste Mal – wenn es wieder heißt: Willkommen in Planica – der Weltstadt für vier Tage. Planica – das ist eben einfach für jeden, der Skispringen liebt ein Muß.

Auch das ist Planica – der norwegische Trainer gratuliert Thomas Morgenstern. (SW)

 

05.04.2010 – SW

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