Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl im Interview

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 Jeg ønsker alle en god start på sesongen og noen minus grader. Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl im Interview Seit einem halben Jahr ist Alexander Stöckl nun Trainer der norwegischen Skisprung Nationalmannschaft. Der Tiroler aus St. Johann (Magister der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Management) hat...
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 Jeg ønsker alle en god start på sesongen og noen minus grader. Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl im Interview

Seit einem halben Jahr ist Alexander Stöckl nun Trainer der norwegischen Skisprung Nationalmannschaft. Der Tiroler aus St. Johann (Magister der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Management) hat damit wohl eine der begehrtesten Trainerstellen im internationalen Skisprungzirkus inne und ist für eine Skispringer-Nation verantwortlich, das als Geburtsland des Skispringens gilt. Nordicjumpworld sprach vor der Wintersaison 2011/2012 mit dem Mann, der als Trainer der österreichschen Jugendnationalmannschaft schon einen jungen Mann Namens Gregor Schlierenzauer betreute und nun Chef einer Mannschaft ist, die sich nicht damit zufrieden geben will, hinter Österreich nur die Nummer zwei zu sein.

Hallo Alexander. Im März diesen Jahres ging deine Ernennung zum Cheftrainer der norwegischen Nationalmannschaft durch die Presse und seit Juni betreust du nun das norwegische Team. Am Holmenkollen, dem Mekka des Skispringens zuhause zu sein – ist das nicht ein Traum für jeden skisprungbegeisterten Trainer?

Es ist natürlich etwas ganz Spezielles, wenn man in dem Land, in dem das Skispringen seine Wurzeln hat, als Trainer arbeiten darf. Ich sehe es als eine große Ehre und eine Herausforderung, die ich zu bewältigen habe. Ich weiß wie in anderen Nationen gearbeitet wird. Es wird seine Zeit dauern Fuß zu fassen und meine Vorstellungen umzusetzen und dann werden wir sehen, ob ich das Zeug dazu habe Norwegen als Nation voranzubringen. Im Moment bin ich diesbezüglich guter Dinge.

Mika Kojonkoski – fast zehn Jahre Trainer der Norweger und nun dein Vorgänger. Eine Legende. Wie ist dein Verhältnis zu ihm? Du warst ja immerhin 2 Jahre sein Assistent als er noch die österreichischen Adler betreute?

Mein Verhältnis zu Mika ist sehr gut, auch wenn wir beide im Moment auf Grund unserer beruflichen Herausforderungen wenig Kontakt haben. Ich habe ihn damals als sein Assistent zu schätzen gelernt und weiß, dass er einer der besten Trainer im Zirkus war. Somit muss ich in ziemlich große Fußstapfen treten.
Ein halbes Jahr ist nun vorbei seit deiner Ernennung. Im Sommer diesen Jahres konntest du sicher die ersten wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Was sind, basierend auf diesen Erfahrungen deine Ziele für die anstehende Wintersaison 2011/2012?

Nach so kurzer Zeit ist es für mich selbstverständlich schwierig klare Ziele zu formulieren. Ich denke wir sollten mehr als zufrieden sein, wenn wir im Gesamtweltcup wieder um einen Podest-Platz mitkämpfen und bei einigen Einzelspringen um den Sieg mitmischen dürfen. Nach so vielen Veränderungen im Bezug auf das Mannschaftsgefüge, die Arbeitsweise und die Trainingsmethoden muss man davon ausgehen, dass diese Saison ein Auf und Ab sein wird. Ich habe noch nicht das Gefühl, dass die Jungs bereit sind auf konstant hohem Niveau zu springen. Es sind also Geduld und harte Arbeit über den ganzen Winter gefragt. Dennoch bin ich guter Dinge und denke, dass wir uns nicht vor dem Auftakt in Kuusamo fürchten müssen.
Bjoern Eimar Romoeren hatte kürzlich einen Bandscheibenvorfall. Ob Anders Jakobsen wieder zurückkehrt ist fraglich. Dazu sind die Bedingungen mit Schneemangel und dem erzwungenen Umstieg auf ein Sommerskicenter nicht gerade optimal. Was stimmt dich optimistisch, dass der Start in die Saison für Norwegen gut verläuft? Wann wird Bjoern wieder fit und wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr von Anders Jakobsen?

Was Bjoern betrifft bin ich froh, dass ich jetzt sagen kann, dass er wieder voll im Training ist. Mit konsequenter Therapie und harter Arbeit ist es ihm gelungen, die Probleme mit seinem Rücken in den Griff zu bekommen. Wenn die Dinge weiterhin so gut verlaufen, ist er zu Saison Beginn im wahrsten Sinne des Wortes wieder „der Alte“ (sagt Alexander mit einem Schmunzeln). Mit Anders Jakobsen hatte ich vor einigen Tagen das erste Gespräch nach seiner Entscheidung zu pausieren. Ein sehr angenehmer Mensch, nebenbei gesagt.

Er wird den heurigen Winter als Co-Moderator bei NRK (staatliches Fernsehen) das ein oder andere Mal dabei sein. Ansonsten trainiert er gelegentlich in Drammen und im Winter in Vikersund, damit er als Kamera-Springer keine allzu schlechte Figur macht. Nach dem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass er noch nicht zu Hundert Prozent mit dem Sport abgeschlossen hat. Er hat mir über das Kribbeln erzählt, dass hochkommt, wenn er ans Skispringen denkt und das deute ich als ein gutes Zeichen. Optimistisch stimmt mich für die kommende Saison, dass alle so ruhig bleiben, obwohl sie wissen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Sowohl Athleten als auch Funktionäre räumen sich selbst und mir als Trainer die nötige Zeit ein, um die Dinge richtig anzugehen.

Romoeren lobte kürzlich deine Arbeit öffentlich und war vor allem von einer in Österreich entwickelten Testplattform überzeugt, die individuelle Trainingsmethoden für die Skispringer erlaubt. Wie kann man sich diese Testplattform vorstellen und wie sieht euer Trainingsalltag aus?

Im Prinzip handelt es sich nur um eine Kraftmessplattform die zum einen Aufschluss über die Sprungleistung und zum anderen über den derzeitigen Allgemeinzustand eines Athleten Aufschluss gibt. Somit kann man das Training sehr individuell steuern und läuft nicht so schnell Gefahr, in den Keller zu trainieren. Skispringer müssen- wie allseits bekannt- mit wenig Körpermasse auskommen und so ist es notwendig immer über den Zustand eines Athleten am Laufenden zu bleiben. Nur so kann man eine so anstrengende Wettkampfsaison gut überstehen.
Wir stehen vor einer Saison ohne olympische Spiele und nordischen Weltmeisterschaften. Die 4-Schanzentournee, der Gesamtweltcup und die Skiflug-WM könnten somit die Höhepunkte der Saison sein. Was sind deine Ziele für diese Saison ?

Wie bereits zu Beginn erwähnt fällt es mir schwer genaue Ziele zu formulieren. Natürlich erhofft sich jeder ein gutes Abschneiden bei den anstehenden Großereignissen. Die Skiflug WM im eigenen Land will man natürlich gewinnen. Ob wir dazu in der Lage sind, wird sich erst im Laufe der Saison zeigen. Die Tournee schreibt ihre eigenen Gesetze, dazu kann man nicht viel mehr sagen. Wenn ein Athlet, egal von welcher Nation, zu dieser Zeit in guter Form ist, kann er die Tournee gewinnen.
Anders Bardal, Ole Marius Ingvaldsen, Rune Velta und Tom Hilde waren die Gewinner der nationalen Meisterschaften. Dazu kommt jetzt ja wieder Romoeren. Um nur die bekanntesten zu nennen. Welchen deiner Springer siehst du derzeit am ehesten in der Lage die Phallanx der österreichischen Adler zu sprengen?

Mein Wunsch wäre, dass sowohl junge wie auch ältere Skispringer aus unserem Lager gelegentlich anklopfen. Im Sommer war Tom klar der stärkste. Zum Ende hin konnten jedoch Ole Marius und auch Anders ihre Form steigern und schlossen die Matten Saison mit konstant guten Sprüngen ab. Alles ist möglich. Johan Remen Evensen ist drauf und dran auch als Skispringer, nicht nur als Skiflieger, Fuß zu fassen. Es gibt also mehrere Anwärter auf eine Top Ten Platzierung.
Nordicjumpworld ist ja ein Portal, das aus Deutschland kommt. Sicher kennst du die Szene auch von dort. Die großen Erfolge eines Martin Schmitt und eines Sven Hannawald liegen länger zurück. Martin ist immer noch das Aushängeschild der deutschen Skisprungszene, obwohl seine beste Zeit wohl hinter ihm liegt. Severin Freund ist derzeit der Einzige, der wirklich konstant internationale Klasse beweißt und Polen mit Kamil Stoch an der Spitze ist drauf und dran vor den deutschen Adlern den Rang hinter Österreich und Norwegen zu erobern. Wie siehst du die Situation in Deutschland und wo wären deine Ansätze damit auch dem deutschen Team wieder Spitzenplätze und Teamsiege gelingen könnten?

Ich schätze die Deutsche Mannschaft diesen Winter stärker ein als sie sich im Sommer präsentiert haben. Die Arbeit des Trainerteams unter Werner Schuster beginnt zu greifen und somit kann man von dieser Seite her mit starker Konkurrenz rechnen. Veränderungen brauchen eben Zeit und die spricht heuer für die Deutschen.

Ein halbes Jahr Norwegen – für 2 Jahre hast du dich gebunden mit der Option auf zwei weitere Jahre. Vermisst du die Alpenrepublik denn gar nicht?

Naja, die Berge sind hier nicht so hoch, Speck gibt es keinen und die Nächte sind im Winter noch etwas länger als bei uns. Aber dafür gibt es das Meer vor der Haustür, lange Sommerabende und eine unvergleichliche Gemütlichkeit, wo man auch hingeht. Es wäre gelogen, wenn ich sage ich vermisse meine Heimat nicht, aber ich habe die Chance eine neue Kultur kennenzulernen und Erfahrungen zu machen die mir zu Hause vorenthalten blieben. Ich lerne eine neue Sprache und liebe meine Arbeit mit den Jungs. Meine Lebensgefährtin ist bei mir und lebt sich auch gut ein und somit genießen wir das Abenteuer Norwegen in vollen Zügen.

Alex, Danke für die spontane Bereitschaft für nordicjumpworld ein Interview zu geben. Wie wir gehört haben, hast du ja norwegisch schon gut gelernt. Ein norwegischer Gruß zum Abschluß an die Skisprungfans von Nordicjumpworld ?

Naja, ich kämpfe noch mit dem Sprechen aber ich verstehe schon sehr viel. Ich probier’s mal.

Jeg ønsker alle en god start på sesongen og noen minus grader.

Ich wünsche allen einen guten Start in die Saison und einige Minus Grade.

9.11.2011 – das Interview führte Johannes Markus Stettner

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