NJW exklusiv: Marc Nölke im Interview – der neue Skisprung-Coach der US Kombinierer

on Jun 20, 13 • by • with No Comments

„Für unser Team ist es gut, einen Player in Europa zu haben.“ Marc Nölke ist zurück. Der ehemalige Skispringer und Olympiateilnehmer war unter anderem Co-Trainer der österreichischen und der deutschen Skisprungnationalmannschaft. Jetzt gibt er sein internationales Comeback. Als Skisprungtrainer der...
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„Für unser Team ist es gut, einen Player in Europa zu haben.“

Marc Nölke ist zurück. Der ehemalige Skispringer und Olympiateilnehmer war unter anderem Co-Trainer der österreichischen und der deutschen Skisprungnationalmannschaft. Jetzt gibt er sein internationales Comeback. Als Skisprungtrainer der nordischen Kombinierer Amerikas. Gemeinsam mit Chefcoach Dave Jarrett will er das Team fit machen für die olympischen Spiele in Sochi 2014.

 

Hallo Marc, nach 2 1/2 Jahren Pause kehrst du wieder in das aktive Geschehen als Skisprungtrainer des US Amerikanischen Teams der nordischen Kombinierer zurück. Wie gehts Dir und was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Danke, mir geht es sehr gut! Ich hab so allerhand gemacht.  Ich durfte knapp 2 Jahre beim Westdeutschen Skiverband als Stützpunkttrainer in Meinerzhagen im Nachwuchsbereich arbeiten, was Klasse war. Desweiteren war ich in zahlreiche Unternehmen mit Vorträgen und Seminaren unterwegs und habe eine kleine Firma gegründet. Die Diplomarbeit an der Trainerakademie in Köln ist fertig, jetzt stehen die Prüfungen an. Insgesamt habe ich viele neue Dinge gelernt und war recht aktiv. Schön war´s!

Jetzt wartet eine neue, spannende Herausforderung auf dich. Welche Aufgabengebiete wirst du betreuen? Wo liegt das Hauptaugenmerk deiner künftigen Aufgabe?

Ich bin Skisprung-Coach der US Kombinierer. Grundsätzlich ist die Aufgabe ja klar: Als Sprungtrainer bist Du verantwortlich für die Sprungleistung, mit allen Schnittstellen, die dazu gehören. Im Moment versuche ich für mich selbst zu erkennen, wie sich das Sprungtraining der Kombis von dem der Spezialisten unterscheiden muss. Es geht darum, effektiv zu trainieren und dabei die Wechselwirkungen der teilweise gegensätzlichen Trainingsinhalte individuell zu minimieren. Oder? Das Thema ist völlig neu für mich. Ich bin mal gespannt, wie ich in einem Jahr darüber denke. Garantiert anders. Wahrscheinlich geht es in dieser Sportart noch mehr um das Thema Balance als im Skispringen. Ich bin dabei herauszufinden, wie dieser Sport funktioniert und was für Menschen die Sportler sind.

Du warst bereits einmal in Park City im Juni im Trainings Camp im Utah Olympic Park in Park City.

Ja, das erste „get together“ mit dem Team hat mir gefallen! Starke und motivierte Athleten, junge Talente und arrivierte Cracks, tolle Kollegen, sehr gute Möglichkeiten.Wir hatten einen tollen und intensiven Kurs zusammen.

Im Juli gehts nochmal nach Amerika. Du wohnst in Köln. Da ist es ein weiter Weg in die Staaten. Sicher sind die meisten Wettkämpfe in Europa. Ist es nicht dennoch notwendig mit den Jungs vor Ort zu trainieren? Wäre da nicht ein zeitweiser Umzug sinnvoll?

Der Weg ist weit, doch einen Reisetag muss ich auch einplanen, wenn ich von Köln nach Villach will. Und die erfahrenen Kollegen Greg Poirier und Dave Jarret leiten das Sprungtraining, wenn ich nicht in den USA bin. Wir sprechen miteinander. Für unser Team ist es gut, einen Player in Europa zu haben. Die Athleten arbeiten 100% eigenverantwortlich und sind hochmotiviert. Ein zeitweiser Umzug kann auch sinnvoll sein – machen wir aber im Moment nicht.

Johnny Spillane, der dreifachen Silbermedaillengewinner von Vamcouver sowie Brett Camerota haben Ihre Karriere ja beendet, übrig von der Mannschaft, die 2010 in Vancouver olympisches Silber gewonnen hat, sind also nur noch Todd Lodwick und Bill Demong. In Sochi könnten also zwei Routiniers und zwei Newcomer starten. Wird es so kommen?

Kann sein, muss aber nicht. Bill und Todd haben es drauf. Keine Frage. Brian und Tylor Fletcher sicher auch. Aber es gibt auch noch ein paar andere Jungs, die wahrscheinlich das Zeug dazu haben.

Werden vom Verband Ziele für die olympischen Spiele für die nordische Kombination definiert? Oder hast du selbst ein persönliches Ziel für dieses Saisonhighlight?

Mein persönliches Ziel ist es, flexibel und mit genug Weitblick zu agieren und ab und zu mal nachzudenken. Ich hoffe, günstige Entscheidungen zu treffen und tatsächlich Spaß mit dem ganzen Team bei der Arbeit zu haben. Es wäre schön, wenn wir in eine Situation kommen, in der wir von Luxusproblemen bei der Teamnominierung geplagt sind.

Wie sieht es mit der Nachwuchsarbeit in den Staaten aus?

Da habe ich noch keinen Überblick und demnach auch keine Meinung. Eins ist aber klar: ganz schlecht kann sie nicht sein – dazu sind die Athleten zu gut ausgebildet.

Rückblickend hast du viele Jahre die besten Skispringern der Welt – in Österreich und Deutschland trainiert. Was macht den perfekten Springer aus? Wer kam dem bislang am nächsten von denen die du trainiert hast und wieso?

Die lange Antwort wäre ein längeres Essay, deshalb in Kürze: Thomas Morgenstern, Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler, Wolfgang Loitzl, Severin Freund, Richard Freitag, Martin Schmitt – das sind richtig gute Jungs. Das ist die Top-Liga. Alle mit unglaublichen Apps.

Aber Perfektion hat viele Facetten. Natürlich ist Gregor bislang am häufigsten effektiv und perfekt- zumindest im Resultat.

 

Marc, herzlichen Dank für das Interview und Viel Erfolg für deine neue spannende Aufgabe.

 

18.06.2013 – Das Interview führte Johannes Markus Stettner – exklusiv für http://www.nordicjumpworld.com

 

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