Mein Höhenflug mein Absturz … das Hannawald Buch

on Okt 23, 13 • by • with No Comments

und die Rückkehr ins Leben …   Hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben wäre Sven Hannawald wohl ein ganz passabler nordischer Kombinierer geworden. In der Kaderschmiede der DDR war er jedenfalls auf dem besten Weg dazu. Früh fiel der großgewachsene und schlacksige Typ den Talentsuchern im...
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und die Rückkehr ins Leben …

 

Hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben wäre Sven Hannawald wohl ein ganz passabler nordischer Kombinierer geworden. In der Kaderschmiede der DDR war er jedenfalls auf dem besten Weg dazu. Früh fiel der großgewachsene und schlacksige Typ den Talentsuchern im ehemaligen Ostblockstaat auf. Alle Leistungsprüfungen schaffte er mit Bravour. Dass es doch alles anders kommen sollte erzählt Hannawald nun in seinem Buch. Mit der Geschichte seines Burn-Outs und seiner Rückkehr ins Leben. Dabei lässt er wenig aus. Sehr kritisch durchleuchtet er das System von dem er am Ende profitiert hat und seine ersten Jahre im Westen.

Der Hannawald, der das Buch geschrieben hat ist aber längst nicht mehr der Hannawald Superstar, der viermal hintereinander ein Springen bei der Vierschanzentournee gewonnen hat. Der eine Legende des Sports geworden ist mit acht Sprüngen.

Er hat vieles durchgemacht und manches nicht verkraftet. Lange stand er im Schatten von Martin Schmitt. Als er vor 11 Jahren die Vierschanzentournee gewann – bis heute als einzigster mit Siegen in Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen erlebte er eine Welt die nicht mehr seine war. Hannawald war Superstar und aus Hinterzarten wurde Hannizarten. In seiner neuen Heimat im Schwarzwald war er nicht mehr allein. Da waren die Fans vor der Tür und er konnte sich oft nur durch den Hinterausgang flüchten.

Manch Sportler hat die Coolness um den immensen Ansturm wegzustecken. Hanni hatte es nicht. Schonungslos offen geht Sven mit dieser Situation in seinem Buch um. Wie Verletzungen ihm eine gewisse Zeit Freiräume geschaffen haben und wie er sich doch letztendlich eingestehen musste – so geht’s nicht weiter. Wie er sich durchmogelte – auch durch ein paar Erfolge hinwegtrösten konnte und wie er in das Loch des Burnouts fiel. Wie schwierig es war sich das selbst einzugestehen und er die Jahre erlebte, in denen es langsam wieder aufwärts ging. Hannawald hat sich seine neue eigene Welt geschaffen. Er strebt immer noch nach Erfolg – aber er hat sich seine Grenzen und Auszeiten gesetzt. Wenn er Autorennen fährt, ist das für ihn die Entspannung die er braucht. Es ist nicht mehr als ein Hobby. Die Zeit für die Familie ist wieder da und vor der Tür steht höchstens noch der Postbote. Nicht mehr mit hunderten Fanbriefen – vielleicht auch nur noch mit der Telefonrechnung. All das tut ihm gut.

Hannawalds Buch ist offen und vor allem eins: Ehrlich. Einerseits arbeitet er damit sicher seine Vergangenheit auf. Auf der anderen Seite gibt er uns viele Einblicke. In das Sportsystem der DDR, in das Leben eines ehemaligen Ostbürgers im Westen und die Jahre danach. Über seine Überfliegerjahre und seinen Absturz. Daneben gibt es überraschende Besuche und zum Schluss einversöhnliches Happy End.

Fazit: Es ist ein Buch nicht nur für Skisprung- oder Hannifans, sondern auch für jeden der Burnout gefährdet ist. Auch wenn man sich mit dem Sportsystem der ehemaligen DDR beschäftigt, sollte man das Buch lesen.

 

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