Inside FIS: Lasse Ottesen im Interview

on Okt 9, 14 • by • with No Comments

Am vergangenen Wochenende fand das traditionelle Herbst Meeting der FIS statt. Dabei geht es auch um die Weiterentwicklung der Sportarten und deren Vermarktungsmöglichkeiten. NORDICJUMPWORLD sprach mit dem Renndirektor der nordischen Kombination Lasse Ottesen über die Kongressergebnisse. Hallo Herr Ottesen, Sie...
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Am vergangenen Wochenende fand das traditionelle Herbst Meeting der FIS statt. Dabei geht es auch um die Weiterentwicklung der Sportarten und deren Vermarktungsmöglichkeiten. NORDICJUMPWORLD sprach mit dem Renndirektor der nordischen Kombination Lasse Ottesen über die Kongressergebnisse.

Hallo Herr Ottesen,

Sie kommen direkt von der FIS Herbsttagung. Ein Kernthema war dabei die Weiterentwicklung der Damenwettbewerbe in der nordischen Kombination. Welche konkreten Planungen hierfür gibt es und worauf dürfen wir uns bereits in diesem Winter freuen?

Ottesen: Der FIS Schüler Grand Prix hatte ein wirklich beeindruckendes Starterfeld mit neun Nationen und insgesamt 40 Damen. Die USA, Kanada und Japan waren zwar nicht in Oberstdorf vor Ort, hatten aber ebenfalls nationale Meisterschaften für Damen in der Nordischen Kombination in diesem Sommer. Mit dieser hohen Anzahl an Startern und vor allem auch dem beeindruckenden Leistungsniveau, das die Ladies zeigten, hoffen wir, dass wir einen weiteren FIS Schüler Grand Prix in diesem Winter abhalten können. Dies wird sich in den nächsten Wochen entscheiden und natürlich werden wir die Information möglichst öffentlichkeitswirksam bekannt geben.

Danach wird es wieder den Schüler Grand Prix im Sommer 2015 geben und im Anschluss ist unser Ziel, 2-3 internationale Damen-Wettkämpfe im Winter zu veranstalten. Langfristig versuchen wir die Damen-Kombination in den nächsten 5 bis 6 Jahren im Programm der Junioren-Weltmeisterschaften zu etablieren, aber dies hängt natürlich auch von der Entwicklung in den einzelnen Nationen, der Anzahl der Athletinnen und ihrem Leistungsniveau ab.
Sie stellten in Zürich ihre Vision 2.0 für die nordische Kombination vor. Können Sie uns hier ein paar Eckpunkte ihrer Ideen für die Zukunft der Sportart verraten? Wie wollen Sie den Sport nach vorne bringen. Welches Vermarktungspotenzial sehen Sie und welche Wettbewerbsformate werden innerhalb der FIS diskutiert?

Ottesen: Mit der Vision 1.0 sind wir vor 3 Jahren gestartet. Sie beinhaltete die folgenden Punkte: 1. Stabilisierung der Regeln und Formate, 2. Upgrade der TV Produktion, 3. Steigerung der Zuschauerzahlen, 4. STARS der Disziplin herausarbeiten. Natürlich bleiben diese Punkte weiterhin Teil unserer Vision und ein zentraler Punkt der Entwicklung der Nordischen Kombination in der Zukunft. Die Vision 2.0 beinhaltet die folgenden Punkte: 1. Entwicklung vom Sport zum Event, 2. Upgrade der Venues, 3. Verbesserung des allgemeinen Flows vor Ort.

Die Hauptaspekte der Vision 1.0 sind auf einem guten Weg, daher wollten wir nun den nächsten großen Schritt für die Disziplin in Angriff nehmen. Dies beinhaltet selbstverständlich auch eine gute und enge Zusammenarbeit mit allen nationalen Skiverbänden und Organisationskomitees vor Ort und gemeinsam mit ihnen hoffen wir, diese Schritte in den 2-3 Jahren umsetzen zu können und den Sport so weiterzuentwickeln.

Momentan gibt es keine große Diskussion um Formate und dies wird so bleiben. Wir fokussieren uns darauf, die bestehenden weiterzuentwickeln, die Regeln stabil zu halten und den Fokus weiterhin nur auf unsere Athleten, unsere „ultimativen Wintersportler“ zu halten.

Für die Einführung des nordic combined triple sind sie mitverantwortlich. Bei den Athleten und den Zuschauern kam dies sehr gut an. Seefeld hat sich als Gastgeber bestens präsentiert. Wird dieses Event auch an andere Orte vergeben? Auch im Terminkalender 2014 sind die Tiroler ja wieder Veranstalter.

Ottesen: Unser Ziel in Bezug auf das TRIPLE ist, es zu unserem Kalender-Highlight zu entwickeln, so wie die Tour de Ski oder die Vierschanzentournee im Langlauf oder Skispringen. Daher fokussieren wir momentan nur auf nur dieses eine Wochenende und es wird auch für die nächste Zeit in Seefeld bleiben.

Der Sommer Grand Prix der Herren umfasste in diesem Jahr lediglich vier Termine. Dabei erfreuen sich gerade die Stadtrennen auf den Rollskiern einer großen Beliebtheit. Ist es angedacht, auf die Sommersaison wieder mehr Wert zu legen? Am Wochenende in Klingenthal bei den Spezialspringern hat man wieder einmal gesehen, dass der Wintersport auch in den wärmeren Monaten gut in der Öffentlichkeit ankommen kann.

Ottesen: Der Sommer Grand Prix ist eine gute Testphase für uns, wenn es um neue Regel-Vorschläge oder Änderungen der Material-Vorschriften geht. Darüberhinaus ist er eine tolle Promotion für die Nordische Kombination in den Sommermonaten. Wir haben einige Ideen für die Zukunft, mit dem Sommer Grand Prix auch den nächsten großen Schritt zu gehen.

Dies wird allerdings nicht die Zeit oder Anzahl der Veranstaltungen betreffen. Das Feedback der teilnehmenden Nationen ist, dass diese kompakte Woche für sie sehr gut in das Sommerprogramm einzupassen ist und wir sehen ja auch, dass wir so gut wie alle Topstars am Start haben. Daher planen wir nicht, das Programm in den kommenden Jahren zeitlich auszuweiten. Aber wir hoffen, dass wir im Sommer 2016 mit einem neuen, sehr interessanten Event aufwarten können. Mehr Informationen folgen, sobald etwas spruchreif wird.

Die nordische Skiweltmeisterschaften wurden für 2019 nach Seefeld vergeben. Oberstdorf hatte bereits zum Vierten mal das Nachsehen. Woran hat dies gelegen? Lohnt sich eine erneute Kandidatur überhaupt noch für die Bayern?

Ottesen: Die Wahl der Veranstalter für die Weltmeisterschaften obliegt dem FIS Council. Ich bin sicher, dass wir ein tolles Tiroler Festival bei den Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld erleben werden. Ich hoffe aber auch, dass Oberstdorf für die nächsten Weltmeisterschaften kandidiert. Sie haben bereits bei der WM 2005 bewiesen, was für ein toller Organisator sie sind und ich bin sicher, dass sie eine zukünftige WM ebenfalls großartig ausrichten würden.

2015 geht es aber ja erst einmal nach Falun. Wagen Sie eine Prognose? Welche nordischen Kombinierer kämpfen hier um den Titel? Wer wird Weltmeister? Und welche Athleten sehen Sie am ehesten dazu fähig, Eric Frenzel vom Thron zu stoßen, auch im Gesamtweltcup?

Ottesen: Vor einer Weltmeisterschafts-Saison wie in diesem Jahr ist es immer schwierig, die Resultate vorherzusagen. In der letzten Saison hat sich gezeigt, dass Deutschland das Team to beat ist, aber auch Norwegen, Frankreich, Japan, die USA und Österreich waren auf dem Podium. Im Sommer haben wir auch Tschechien, Polen und Slowenien mit guten Resultaten und vielversprechenden jungen Athleten gesehen. Ich bin sicher, dass wir faire und spannende Wettkämpfe in Falun erleben werden, und einen Fight um die Medaillen bis zur letzten Sekunde, bis zur Ziellinie.

Seit zwei Jahren sind Sie der Renndirektor der FIS für den Bereich „Nordische Kombination“ des Weltskiverbandes FIS. Was hat sich seitdem für Sie beruflich wie privat verändert?

Ottesen: Ich hatte das Glück in der Saison 2011/12 als Koordinator an der Seite von Renndirektor Ulrich Wehling beginnen zu können. Dies war eine tolle Vorbereitung, um in den Posten als Renndirektors hineinwachsen zu können, den ich ein Jahr später übernommen habe. In diesem Jahr konnte ich unsere fantastischen OKs und die jeweiligen Ansprechpartner in den Skiverbänden kennenlernen, mit denen wir ja jede Saison sehr eng und konstruktiv zusammenarbeiten.

Ich habe das Gefühl, dass wir momentan, gemeinsam mit unseren Partnern, auf einem sehr guten Weg sind, die Disziplin Nordische Kombination weiterzuentwickeln. Ich bin sehr glücklich ein Teil davon sein zu dürfen.

Noch eine Abschlussfrage. Was machen Sie in zehn Jahren? Und welchen Stellenwert hat dann die Kombination im Wintersport?

Ottesen: Ich hoffe, dass sich die Nordische Kombination in 10 Jahren als Sport weiterentwickelt hat und dass das Interesse der Medien und der Bevölkerung gewachsen ist. Persönlich hoffe ich, in 10 Jahren immer noch innerhalb der FIS arbeiten und weiterhin den Wintersport allgemein weiterentwickeln und mitgestalten zu können.

Lasse Ottesen ist seit 2012 als Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS für die Nordische Kombination aktiv. Der ehemalige norwegische Skispringer gewann 1994 die Silbermedaille bei den olympischen Spielen von Lillehammer. 1997 stellte er in Planica mit 212 Metern einen Weltrekord auf, der erst zwei Jahre später eingestellt wurde. Im Skisprung-Weltcup konnte er insgesamt neun Podestplätze erreichen. Im Laufe seiner Karriere wurde Ottesen fünfmal Norwegischer Meister. Nach der Saison 2000/2001 beendete Ottesen seine Karriere als aktiver Springer. Danach war er als Sprungtrainer der norwegischen nordischen Kombinierer tätig. 2004 wechselte er zu den US-amerikanischen Kombinierern, zunächst als Sprungtrainer und seit 2006 als Cheftrainer. Seit 1. Mai 2008 ist er Co-Trainer neben Mika Kojonkoski für die A-Nationalmannschaft der norwegischen Skispringer. Ottesen ist verheiratet und hat 4 Kinder.

Das Interview führte Johannes Markus Stettner. Unser herzlichster Dank geht an die FIS Medienkoordinatorin Silke Tegethof für die Vermittlung.

Das Interview finden Sie auch in englischer Sprache auf der Internetpräsentation der FIS für die nordische Kombination http://www.fisnordiccombined.com

 

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