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Ausdauernd erfolgreich. Exklusive Leseprobe aus Mario Stechers autobiographischem Ratgeber

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Nordische Kombination – Mario Stecher verkörpert 20 Jahre Weltklasse in der nordischen Kombination. 1994 wurde er mit gerade einmal 16 Jahren der jüngste Sieger am legendären Holmenkollen. Nach sechs Olympiateilnahmen mit zwei Goldmedaillen, zwei Weltmeistertiteln bei nordischen Skiweltmeisterschaften und...
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Nordische Kombination – Mario Stecher verkörpert 20 Jahre Weltklasse in der nordischen Kombination. 1994 wurde er mit gerade einmal 16 Jahren der jüngste Sieger am legendären Holmenkollen. Nach sechs Olympiateilnahmen mit zwei Goldmedaillen, zwei Weltmeistertiteln bei nordischen Skiweltmeisterschaften und über 40 Podiumsplätzen beendete der sympathische Athlet aus der Steiermark im Februar 2015 seine Karriere.

Exklusiv für Nordicjumpworld gewähren er und sein Verleger Egon Theiner Einblicke in seinen autobiographischen Ratgeber „Ausdauernd erfolgreich“, der am 21. April 2015 im egoth Verlag Wien erscheint.

In drei Teilen erfährt der Leser hier vorab Überraschendes, Faszinierendes und Aufschlussreiches über den Sportler und Menschen Mario Stecher.
Teil 1

Wie alles endete…

Noch ein paar Stockeinsätze, dann bin ich im Ziel – wie schon öfters in dieser Saison wieder einmal irgendwo im Mittelfeld; es sollte schließlich der 19. Platz werden. Es ist der 24. Januar 2015. Der Tag hat sehr gut begonnen, mit einem neunten Rang auf der Schanze. Er hätte besser enden können. Im 10-Kilometer-Langlaufrennen hatte ich herausragend schlechte Ski erwischt. Die wechselnden Wetter- und Schneeverhältnisse mit Temperaturen um die null Grad Celsius hatten es unserem Wachsteam nicht leicht gemacht. Die Pause zwischen Sprung und Lauf war kurz, es gab somit nur wenig Zeit zum Testen. Ich startete fünf Sekunden vor dem Japaner Akito Watabe, der sicher kein besserer Läufer ist als ich. Er kam als Zweiter 1,8 Sekunden hinter Eric Frenzel ins Ziel, mein Rückstand betrug 1:18 Minuten.

Und so stehe ich im Zielraum des Langlaufstadions in Sapporo, 9000 Kilometer Luftlinie von meiner Frau und meinen Kindern entfernt, und suche nach dem Rucksack mit meinen Sachen. In meinem Kopf trage ich einen Kampf mit mir selbst aus. Tags zuvor war ich 32. geworden. Man hatte uns mitgeteilt, dass die Besseren aus unserem Team zum Weltcup nach Predazzo reisen würden. Dort musste ich allerdings unbedingt dabei sein, wollte ich mich noch für die Weltmeisterschaft in Falun qualifizieren. Mein Sprung in Sapporo war sehr gut gewesen, vielleicht der beste in diesem Winter.

Auf der Schanze passt meine Form also. Und was die Loipe betraf – also bitte, mit solchen Geräten unter den Füßen war wirklich nicht mehr drin gewesen. Jeder, der das Rennen gesehen hatte und die Umstände kannte, würde mir recht geben. Wie immer dem sei, ich hatte mich an beiden Tagen innerhalb des österreichischen Teams nicht so schlecht geschlagen. Besser geht’s immer, schon klar. Aber ich muss keinen Gedanken daran verschwenden, dass mich der Trainer aus der Mannschaft nehmen könnte.

Der Rückflug von Japan nach Mitteleuropa ist lang. In zwölf, dreizehn Stunden gibt es viel Gelegenheit zum Essen, Schlafen, Lesen und Reden. Im Gespräch mit unserem Sprungtrainer Falko Krismayr, der in Sapporo auch der Chefcoach gewesen war – Christoph Eugen, der eigentliche Cheftrainer war leider nicht mitgereist – skizziere ich ein Szenario, das ich selbst nicht als realistisch betrachte: Sollte ich in Predazzo nicht dabei sein, dann wäre meine Karriere wohl vorbei. Wir sehen einander an, ich muss ein wenig grinsen – was man halt so redet, wenn der Flug lang ist.

Carina, meine Frau, holt mich vom Flughafen in Innsbruck ab, und wir fahren nach Hause. David und Luis, unsere Kinder, fallen mir um den Hals, als ich dort ankomme Die Tür unseres Hauses in Leins fällt hinter mir zu und lässt den Job draußen. Ich fühle mich glücklich und zufrieden. Berufliches und Privates zu trennen war für mich nie einfach, doch ich bemühe mich, mein Familienleben nicht mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen des Berufsalltags zu vermischen.

DSC02235Tags darauf gehen Carina und ich in Seefeld langlaufen. Das ist zunächst einmal als Zeit „für uns“ gedacht. Aber an diesem Montag, den 26. Januar 2015, endet unversehens meine Laufbahn als Nordischer Kombinierer in der Weltcup-Mannschaft Österreichs. Sie hatte fast genau zweiundzwanzig Jahre zuvor in Saalfelden mit meiner ersten Teilnahme an einem Weltcup begonnen, und die Art und Weise, wie sie endet, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Gilo – der Spitzname unseres Cheftrainers – ruft mich am Handy an. Wir tauschen ein paar belanglose Floskeln aus, bevor er sagt: „Die Entscheidung ist so, dass du in Val di Fiemme nicht dabei sein wirst.“

 

Die Teile 2 und 3 dieser exklusiven Leseprobe folgen am Dienstag, 14. April 2015 und Montag, 20. April 2015.

Bitte beachtet auch unser Gewinnspiel zur Buchveröffentlichung auf  https://www.facebook.com/nordicjumpworld

(c) NORDICJUMPWORLD – Johannes Markus Stettner – 04/2015 – info@nordicjumpworld.com

 

 

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