Die Geschichte der nordischen Kombination

Wie ist die nordische Kombination entstanden? Seit wann gibt es diese faszinierende Sportart? Wo waren die Ursprünge und wie hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt? Diese Fragen möchte der nachfolgende Artikel beantworten. Allein mit der Beantwortung der oben genannten Fragen könnte man ganze Bücher füllen.

Der älteste bekannte Ski. Moorfund vor 4500 Jahen

Der älteste bekannte Ski. Moorfund vor 4500 Jahen

Noch schwieriger wird es, die Geschichte einer Sportart zu recherchieren, welche als Kombination aus zwei Einzelsportarten besteht, dem Skispringen und dem Ski-Langlauf. Daher kann dies nur ein Versuch sein, einige Aspekte hervorzuheben. Unser Dank für diesen Artikel geht, für die Unterstützung an das Museum des Haus des Skis in Planegg/ Oberbayern des deutschen Skiverbands und das Skimuseum in Werfenweg im Salzburger Land.

Der Ursprung

Auch auf Höhlenzeichnungen gab es bereits Abbildungen mit Skiern

Bereits auf Höhlenzeichnungen gab es  Abbildungen mit Skiern

Die ältesten Funde belegen, dass sich bereits vor ca. 5000 Jahren Menschen mit Skiern im Winter behalfen. Der älteste Fund wird laut dem österreichischen Skimuseum in Werfenweng auf die Jungsteinzeit (ca. 2.500 v. Chr.) zurückdatiert. Schon damals wusste man um die Wichtigkeit dieser Art der Fortbewegung im Schnee, die Schier waren durchdacht und mit Führungsrinne und Bindung ausgestattet. Forscher stießen sogar auf Schier mit verzierten Spitzen, die germanische Runen und Tierzeichen trugen. Moorfunde erlauben aufgrund der Bestimmung des Alters der Pflanzen, deren Pollenstaub sich auf den Skiern findet, eine Festlegung des Alters der Skier zwischen

2000 und 4000 Jahren. Das finnische Wort „suksi“ für Ski deutet auf ein Alter von 4500 – 5000 Jahren hin. Auch Felszeichnungen aus der jüngeren Steinzeit geben Zeugnis vom Vorhandensein des Fortbewegungsmittels Ski in dieser geschichtlichen Frühzeit. Der älteste bisher bekannte Skiwurde mit Steinwerkzeugen erzeugtund gefunden in einem Moor bei Hoting in Schweden. Sein Alter wird auf ca. 4500 Jahre geschätzt. Länge: 110 cm, Breite: 10 cm, Dicke: 1 cm.

Eine original Skipresse aus dem Landesskimuseum Werfenweng

Eine original Skipresse aus dem Landesskimuseum Werfenweng

Später tauchen auch in Sagen und Berichten immer wieder Beweise für die Existenz von Skiern auf. Älteste Zeugnisse geben Berichte des byzanthinischen Geschichtsschreibers PROCOPIUS (550 n. Chr.), des gotischen Mönchs JORDANES (552) und des Langobarden PAULUS DIACONUS (720-790). Sogar aus China sind Überlieferungen über skilaufähnliche Tätigkeit in der Tang-Dynastie (618-907) bekannt. In den Liedern der Edda und den isländischen Sagen wird vom Skilauf berichtet. Auch über Kriege auf Skiern ist zu lesen.

Zeugnisse über den nordischen Skisport gibt es bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Uppsala. Um 1550 fanden die ersten Langlaufwettbewerbe in Telemarken in Norwegen statt. Das norwegische Militär hielt ihre ersten nordischen Ski-Wettkämpfe im Jahr 1767 ab. Der erste öffentliche Wettbewerb fand 1842 im nordnorwegischen Tromsø statt. Ab den 1860er Jahren wurden regelmäßig in Norwegen Nordische Skimeisterschaften ausgetragen.  Der erste Weltrekord im Skispringen wird dem Norweger Hemmestveit zugeschrieben, der 1879 auf eine Weite von 23 m kam. Der erste größere Event fand dann im Jahr 1892 am Holmenkollen mit dem Ski Festival statt. Dieser Wettstreit wird noch bis heute ausgetragen.

Die ersten Skiclubs und die Entstehung der nordischen Kombination

Schneeschuhe aus dem Museum des Haus des Skis in Planegg/ Oberbayern

Schneeschuhe aus dem Museum des Haus des Skis in Planegg/ Oberbayern

Erste Wettkämpfe in der nordischen Kombination sind aus Norwegen mit dem Springen am Huseby-Hügel 1887 dokumentiert, bei dem Sprungweiten um 20 m erzielt wurden. Gleich anschließend an das Springen mussten die Aktiven einen Lauf absolvieren. In vielen Ländern zählte lange Zeit allein die nordische Kombination  für eine Vergabe eines Meistertitels, beispielsweise in Deutschland laut Statistik zwischen 1905 und 1927. Der erste deutsche Meister wurde im Jahre 1905 Alfred Walter. Ein bekannter Vefrteter aus dieser Zeit ist auch Bruno Biehler. Er war zunächst Mitglied des Ski-Club Freiburg. Er trat später dem 1903 gegründeten Akademischen Ski-Club Freiburg bei. 1908 war er Gesamtsieger der ersten Deutschen Meisterschaften in der Nordischen Kombination (Einzelwettkampf Militärpatrouille), 1909 wiederholte er diesen Erfolg.

Erst ab etwa 1930 entwickelten sich die Einzeldisziplinen Langlauf und Springen zu gesonderten Sportarten.

In die Zeit um die 1870er Jahre entstanden auch die ersten Skiclubs, so 1875 in Kristiansand (Norwegen) In Deutschland war es 1892 in Todtnau im Schwarzwald und in Braunlage im Harz soweit. Der deutsche Skiverband datiert hier das Jahr 1890 (dem dem Skiclub München).

Die erste Skirevolution, initiiert durch Friedjof Nansen

Aus dem Buch "Auf Schneeschuhen durch Grönland"

Aus dem Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“

Im ausgehenden 18. Jahrhundert beginnend, tauchten vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts immer häufiger Skiläufer in Mitteleuropa auf. Insbesondere Norweger, die sich wegen Arbeit oder Studium im deutschen Sprachraum aufhielten, brachten den sogenannten „Schneeschuhlauf“ in die deutschen Mittelgebirge und Alpenregionen. Ab 1883 begannen, von den Skandinaviern inspiriert, auch deutsche Wintersportpioniere mit ihren ersten Skiversuchen. Dazu gehören auch die späteren Initiatoren des Deutschen Skiverbandes (DSV) Dr. Wilhelm Offermann und Wilhelm Paulcke.

Das Erscheinen des Buches „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ von Fridtjof Nansen löste in den deutschsprachigen Regionen die erste Skirevolution aus. Dies führte zu einem erhöhten Interesse am Skisport und einem beträchtlichen Anwachsen skiläuferischer Aktivitäten. In den Folgejahren gründeten sich immer mehr Vereinigungen und Clubs skibegeisterter Wintersportler. Vor allem am Feldberg im Schwarzwald, wo z. B. Norweger, die in Freiburg studierten, Skisport ausübten, ging die Entwicklung sowohl auf Ski, als auch im Verein am schnellsten voran. So bildete sich 1895 mit dem SC Schwarzwald die erste überörtliche Vereinsstruktur. In den darauf folgenden Jahren entstanden viele weitere deutsche Regionalverbände. Dies war ein entscheidender Schritt zur Entstehung eines nationalen Deutschen Skiverbandes. Die Ausrichtung der ersten Deutschen Skimeisterschaft durch den SC Schwarzwald markierte einen weiteren Meilenstein im deutschen Wintersport. Der Norweger Bjarne Nielssen gewann diese erste Deutsche Meisterschaft im Jahre 1900.Auf-Schneeschuhen-durch-Groenland-03-2016

»Die Natur, stark und wild, ist wie eine alte, in Schnee gemeißelte Sage, die manchmal in so feiner und zarter Stimmung ist wie ein Gedicht. Aber die Natur ist auch wie kalter Stahl, in dem sich das Licht der Farben im Licht der Sonne spiegelt.« Fridtjof Nansen.

 

Die nordische Kombination und Olympia – 1924 Chamonix

Olympisch ist der nordische Skisport seit den ersten offiziellen Winterspielen in Chamonix 1924, mit den Disziplinen Nordische Kombination, einem Springen und den Langläufen über 18 km und 50 km. Bis auf das Springen gewann der Norweger Thorleif Haug alles.

„Ein klarer Tag blaute über dem tiefeingeschnittenen Tal, als alles was Beine hatte, gegen Mittag zur Sprungschanze oberhalb Les Bossons hinaufpilgerte, deren Hintergrund in einzigartiger Wildheit der Mont Blanc und seine kühnzackigen Trabanten bilden. Die Sprunganlage präsentierte sich ausgezeichnet. Sie ist eine der besten Schanzen Europas und macht ihrem Erbauer alle Ehre.“ (WAGNER, J./EICHENBERGER,G.: Die Olympischen Spiele Paris 1924)

Thorleif Haug - 1. Olympiasieger 1924

Thorleif Haug – 1. Olympiasieger 1924

Jeder Athlet hatte zwei Versuche zu absolvieren, wobei für jeden Sprung jeweils eine Note für den Stil und eine für die Weiten gegeben wurde. Für den weitesten Sprung gab es 20 Punkte. Stil- und Wertungsnoten wurden addiert und danach durch zwei dividiert.

In ähnlicher Weise berechnete man die Punkte für den 18-km Langlauf. Hier erhielt der schnellste Läufer ebenfalls 20 Punkte, pro Minute Rückstand gab es Abzüge von einem halben Punkt. Um den Gesamtsieger zu ermitteln, wurden die beiden Teilergebnisse addiert und anschließend durch zwei dividiert.

Wie bereits bei den anderen Skisportwettbewerben – den Militärpatrouillenlauf ausgenommen – konnten sich auch hier die Norweger deutlich hervorheben. Erklärten die Amerikaner im Skispringen eher die Weite und den Rekord zum auserkorenen Ziel, so dominierten die Norweger durch ihren Stil.

Auch bei den folgenden Spielen dominierten die Norweger die Szene. Erst im Jahr 1948 wurde mit dem Finnen Heikki Hasu ein Nicht-Norweger Olympiasieger im Einzel-Wettbewerb. Noch heute führt Norwegen in der Nationenwertung der nordischen Kombination bei Olympia mit 13 Goldmedaillen vor Deutschland (8, davon 3 ehemalige DDR) – Stand März 2016).

In Cortina 1956 kam zusätzlich der 30 km-Lauf hinzu und aus den 18 km wurden 15 km.

Bis heute ist die nordische Kombination ununterbrochen olympisch vertreten (Stand 03/2016)

 

Die Gundersen-Methode

Gunder Gundersen - Quelle Wikipedia Norwegen

Gunder Gundersen – Quelle Wikipedia Norwegen

Ursprünglich wurde in der Nordischen Kombination erst nach Beendigung der Bewerbe anhand von Schlüsseln für Springen und Langlaufen Punkte und damit Platzierungen aller Teilnehmer berechnet und so erst mit zeitlichem Abstand der Gewinner der Kombination ermittelt.

Der Norweger Gunder Gundersen entwickelte in den 1980er Jahren den nach ihm benannten Startmodus, bei dem Sportler mit gewissen berechneten Zeitabständen in den Langlauf gestartet werden. Diese Startrückstände werden so aus den Sprungergebnissen berechnet, dass die Reihenfolge der Zielankünfte im Langlauf schon die Gesamtplatzierung widerspiegelt. Der Zieleinlauf ist in seiner Transparenz zuschauerfreundlich.

Ab einer gewissen Größe des Rückstands werden die Teilnehmer in Wellen gemeinsam gestartet, behalten ihren rechnerischen Rückstand jedoch, sodass sich die genauen Platzierungen dieser Teilnehmergruppe(n) erst aus Berechnung ergeben.

Pro Meter Sprungweite werden auf der Großschanze (ab 100 m) bis zu 1,2 Punkte und auf der Normalschanze zwei Punkte gerechnet. Je zwei Punkte Unterschied entsprechen dann acht Sekunden Abstand zwischen den Startern.

 

Weltcup, Weltmeisterschaften und das nordic combined triple

Seit der Saison 1983/1984 wird von der FIS, dem Dachverband für alle Leistungssportarten auf Skiern, ein Weltcup der Nordischen Kombination veranstaltet. Seit 1985 wird die Langlaufdisziplin in der freien Technik ausgetragen. Am 3. Januar 2007 wurde erstmals in der Weltcupgeschichte ein Teamsprint im bayerischen Ruhpolding veranstaltet.

triple_seefeld_01_2016Seit 2013 findet als Höhepunkt des Weltcups das Nordic Combined Triple statt. Hier finden an einem Wochenende drei Gundersen-Wettkämpfe statt, deren Teilnehmerfeld beim zweiten Wettbewerb auf die besten 50 und für den letzten Wettkampf auf die besten 30 reduziert wird und deren Punkte- und Zeitdifferenzen für die Startreihenfolge und die Gesamtwertung übernommen werden. Der erste Wettkampf besteht aus einem Springen und einem 5-Kilometer-Lauf, der zweite aus einem Springen und einem 10-Kilometer-Lauf und der letzte aus einem Springen mit zwei Durchgängen und einem 15-Kilometer-Lauf. Für die erste und zweite Etappe gibt es die Hälfte der üblichen Weltcuppunkte, für die Endwertung das Zweifache. Am Ende dieses Höhepunkts der Weltcupwertung, der im Januar 2014 erstmals in Seefeld in Tirol ausgetragen wurde, ist derjenige Gesamtsieger, der als erstes die Ziellinie des abschließenden Laufes passiert

Die Weltmeister in der nordischen Kombination werden bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften ermittelt. Bei der ersten Nordischen Skiweltmeisterschaft 1924, die gleichzeitig die ersten Olympischen Winterspiele waren, wurden in der nordischen Kombination nur Olympiamedaillen vergeben. Der erste Weltmeister in der nordischen Kombination wurde daher erst 1925 bei der zweiten Nordischen Skiweltmeisterschaft gekürt.

Internet-Quellen:

http://www.fis-ski.com/nordic-combined/extra/faq.html

http://www.zvab.com/buch-suchen/titel/auf-schneeschuhen-durch-groenland/autor/nansen/

http://www.deutscherskiverband.de/ueber_uns_der_dsv_historie_de,471.html

http://www.netschool.de/spo/olymp/sarlt12.htm

http://www.skimuseum.at/1020,,,2.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Olympiasieger_in_der_Nordischen_Kombination

https://de.wikipedia.org/wiki/Gundersen-Methode

https://de.wikipedia.org/wiki/Nordische_Kombination

http://www.schneestation.com/phpwcms/index.php?alpin-geschichte-des-skilaufs

http://www.wikiwand.com/de/Thorleif_Haug

Bildquellen:

© by Deutscher Skiverband, mit Dank an Ralph Eder

© by Österreichisches Skimuseum Werfenweng

© Nordicjumpworld Archiv

© Polednik

 

Buchquelle:

Nansen, Fridtjof: Auf Schneeschuhen durch Grönland, Verlagsanstalt und Druckerei Aktien-Gesellschaft, Hamburg, 1897

(c) Nordicjumpworld – 03/2016 – zusammengestellt von Johannes Markus Stettner

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